Worum es geht
Mit einem Bürgerentscheid vom 10. Dezember 2006 hatten sich die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Wachau mit deutlicher Mehrheit gegen den Bau eines Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerkes in Leppersdorf ausgesprochen. Dennoch wurden in den folgenden Jahren weitere Planungen vorangetrieben. Daraus entstand ein anhaltender Konflikt um den Bürgerwillen, kommunale Entscheidungen, Umweltfolgen und die Zukunft der Region.
Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Entwicklungen, Argumente und Hintergründe zusammengestellt. Die Chronologie zeigt den zeitlichen Verlauf. In den weiteren Abschnitten finden Sie zentrale Bedenken sowie ergänzende Informationen zu Schadstoffen, Auswirkungen und grundsätzlichen Fragen rund um das Vorhaben.
Chronologie
Die folgende Chronologie dokumentiert die wichtigsten Stationen, Entscheidungen und Auseinandersetzungen rund um das geplante Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk in Leppersdorf.
Zur ChronologieUnsere Bedenken
Wir, die IG „Gesunde Zukunft“ e.V., setzten uns gegen die Errichtung eines Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerkes in Leppersdorf ein. Wir sahen in dem Vorhaben erhebliche Risiken für Umwelt, Gesundheit und Lebensqualität in der Region. Hinzu kamen mögliche Auswirkungen auf das Image des Standortes sowie die unmittelbare Nähe zu Wohngebieten, landwirtschaftlich genutzten Flächen und einem Lebensmittelhersteller.
Mit einer geplanten Kapazität von 330.000 Tonnen pro Jahr wäre die Anlage eine der größten ihrer Art in Deutschland geworden. Die vorgesehenen Dimensionen mit einer Gebäudehöhe von bis zu 48 Metern und einem Schornstein von über 80 Metern hätten das Landschaftsbild der Region deutlich verändert.
Gesundheit und Umwelt
Wir befürchteten zusätzliche Belastungen durch Luftschadstoffe, Feinstaub und mögliche Einträge in die Umwelt. Aus unserer Sicht durfte ein solches Vorhaben nicht in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion verwirklicht werden.
Verkehr, Lärm und Lebensqualität
Mit dem Betrieb der Anlage wären zusätzliche Transporte, mehr Lärm und weitere Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner verbunden gewesen. Damit drohten Einbußen an Lebensqualität und Attraktivität der Region.
Landschaftsbild und Standortwirkung
Die Größe der Anlage hätte das Erscheinungsbild der Region deutlich geprägt. Gleichzeitig stellte sich die Frage, welche Folgen ein solches Vorhaben für die Wahrnehmung des Standortes und für das Vertrauen in regionale Produkte gehabt hätte.
Müllvermeidung statt Müllverbrennung
Ein dauerhaft auf Abfall angewiesener Anlagenbetrieb setzte aus unserer Sicht falsche Anreize. Statt Abfallvermeidung, Recycling und Kreislaufwirtschaft zu fördern, hätte die Verbrennung wertvoller Stoffe auf lange Sicht verfestigt werden können.
War die Anlage überhaupt erforderlich?
Aus unserer Sicht war eine zusätzliche Anlage zur Müllverbrennung in der Region nicht zwingend erforderlich. Bereits 2004 war mit der Müllverbrennungsanlage Lauta eine Anlage mit hoher Kapazität in Betrieb gegangen. Vor diesem Hintergrund stellte sich die Frage, warum in Leppersdorf ein weiteres Großprojekt dieser Art entstehen sollte.
Hinzu kam, dass der benötigte Ersatzbrennstoff voraussichtlich über weite Entfernungen hätte transportiert werden müssen. Damit wären zusätzliche Verkehrsbelastungen verbunden gewesen. Zudem bestand die Sorge, dass bei knapper werdenden Abfallmengen auch Brennstoffe aus weiter entfernten Regionen oder dem Ausland nach Leppersdorf gebracht worden wären. Der Ort hätte so zur Endstation für Müll aus weiten Teilen Europas werden können.
Schadstoffe und Risiken
Bei der Verbrennung von Abfällen und Ersatzbrennstoffen konnten verschiedene Schadstoffe entstehen oder freigesetzt werden. Dazu gehörten unter anderem Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Ammoniak sowie Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium oder Thallium. Viele dieser Stoffe galten als gesundheitlich bedenklich und konnten Mensch, Tier und Umwelt belasten.
Kohlenmonoxid (CO)
Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung. Es ist akut giftig und kann unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit verursachen.
Stickstoffdioxid (NO₂)
Stickstoffdioxid entsteht bei Verbrennungsprozessen unter hohen Temperaturen. Es kann die Atemwege belasten und die Lungenfunktion beeinträchtigen.
Schwefeldioxid (SO₂)
Schwefeldioxid kann bei der Verbrennung verschiedener Materialien entstehen. Es reizt die Atemwege und kann Entzündungen fördern.
Ammoniak
Ammoniak ist ein stechend riechendes Gas, das Schleimhäute und Atemwege angreifen kann.
Quecksilber (Hg)
Quecksilber ist hochgiftig und kann sich bereits in kleinen Mengen im Körper anreichern. Mögliche Folgen sind neurologische und gesundheitliche Langzeitschäden.
Cadmium (Cd)
Cadmium ist ein gesundheitsgefährdendes Schwermetall mit erheblichem Risikopotenzial.
Thallium
Thallium ist hochgiftig und kann über Haut, Atemwege oder Nahrung aufgenommen werden. Es kann das Nervensystem schädigen und langfristige gesundheitliche Folgen haben.
Begriffe kurz erklärt
In den Informationen zu Schadstoffen tauchen verschiedene Fachbegriffe auf. Dazu gehören etwa MAK-Werte, letale Dosen oder letale Konzentrationen. Diese Angaben dienten der Einordnung gesundheitlicher Risiken, ersetzten jedoch keine vollständige toxikologische Bewertung im Einzelfall.
MAK-Wert
Der MAK-Wert beschreibt die maximale Arbeitsplatzkonzentration eines Stoffes in der Luft, bei der Beschäftigte nach aktuellem Wissensstand in der Regel nicht gesundheitlich beeinträchtigt werden sollen.
LD (letale Dosis)
Die letale Dosis bezeichnet die Stoffmenge, die für ein Lebewesen tödlich sein kann.
LC (letale Konzentration)
Die letale Konzentration bezeichnet eine Konzentration in der Umgebungsluft oder Umwelt, die tödliche Wirkungen haben kann.
Grundsätzliche Kritik an der Müllverbrennung
Neben den konkreten Bedenken zum Standort Leppersdorf gab es auch grundsätzliche Einwände gegen die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen. Diese betrafen Fragen der Energieeffizienz, des Rohstoffverbrauchs, der Kreislaufwirtschaft und der Umweltbelastung.
Keine nachhaltige Energiegewinnung
Die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen löste keine langfristigen Energieprobleme. Zukunftsfähige Lösungen lagen aus unserer Sicht vor allem im Ausbau erneuerbarer Energien und in einer ressourcenschonenden Wirtschaftsweise.
Verlust wertvoller Rohstoffe
Mit der thermischen Behandlung von Abfällen wurden Materialien vernichtet, die andernfalls wiederverwendet oder stofflich verwertet werden konnten.
EBS blieb Abfall
Auch aufbereiteter Ersatzbrennstoff blieb letztlich Abfall. Die Umbenennung änderte nichts an den damit verbundenen Schadstoff- und Entsorgungsfragen.
Belastung für Umwelt und Gesundheit
Die Verbrennung ging mit Emissionen, CO₂-Ausstoß und weiteren Belastungen einher. Aus Sicht vieler Kritikerinnen und Kritiker war sie daher kein sinnvoller Weg in Richtung nachhaltiger Kreislaufwirtschaft.